Über die menschliche Seite der Kapitalmärkte…
„…, aber wer Einsicht in seine Fehler hat, erhält zumindest die Chance, etwas daran zu ändern.“

Unterhaltsam, Aha-Erlebnisse, read it!
Du willst deinen Umgang mit Geld verbessern? Du willst die Kapitalmärkte besser verstehen? Du interessierst dich für die Börse und fragst dich häufig, was da eigentlich los ist? Dann lies dieses Buch!

Hanno Beck, Autor und Professor an der Hochschule Pforzheim, schreibt kompetent, unterhaltsam und augenöffnend über den Umgang mit Geld, die Börse und das Verhalten der Menschen dabei.

Geld denkt nicht, so der Titel des Buches.
Worum geht es? Ich zitiere: „Dieses Buch handelt von der anderen Seite des Kapitalmarktes, von denen, die Aktien kaufen oder verkaufen, und von den Stolpersteinen, die sie sich selbst in den Weg legen. Wie kann es zu Herdenbewegungen an der Börse kommen? Warum glauben wir an Börsenastrologen? Wieso schaffen wir es nicht, für das Alter vorzusorgen? Warum schaffen wir es nicht, verlustreiche Investments zu beenden und verkaufen stattdessen die Gewinnerinvestments? Wieso werfen wir dem schlechten Geld gutes hinterher?“

Große Fragen, die der Autor anhand anschaulicher, manchmal unerwarteter Beispiele in 11 Kapiteln beantwortet. Beispiel gefällig? Kapitel 3 heißt „Wir Verlierer“. Der Autor beschreibt, was der Schiedsrichter beim Entscheidungsspiel des FC Köln im Europapokal der Landesmeister gegen den FC Liverpool im März 1965 getan hat. Nach der Verlängerung stand es 2:2; Elfmeterschießen war damals noch nicht vorgesehen. Was tat der Schiedsrichter? Er warf eine Münze…. Im zweiten Wurf fiel die Entscheidung zugunsten des FC Liverpool. Der Zufall hat gesprochen.

Ein Münzwurf gilt als faires Mittel, wenn es unentschieden steht. Es ist eine 50/50 Wahrscheinlichkeit, dass ich gewinne oder verliere. Bei Experimenten und Studien zum Thema Wetten zeigt sich jedoch, dass Menschen bei einer Münzwette erst mitmachen, wenn sie das Doppelte von dem gewinnen, was sie verlieren könnten. Beck schreibt: „Bei Kopf bekommen Sie 20 Euro, bei Zahl verlieren Sie zehn Euro. Jetzt erst ist diese Wette für die meisten Menschen akzeptabel.“ Daraus läßt sich ableiten, dass Menschen Angst vor Verlusten haben. Damit beschäftigt sich die „prospect theory“.

Angst vor Verlust zeigt sich nicht nur in Gelddingen. Auch beim Warten in der Schlange im Supermarkt oder auf den Bus stellen wir uns die Frage: should I stay or should I go? Jetzt hab ich schon so lange gewartet, jetzt steh ich das aus! Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mir passiert das häufiger mal….

Ich müßte mir eingestehen, dass ich einen Fehler gemacht habe, weil ich so lange gewartet habe. Ich hätte ja auch ein Taxi nehmen können. Oder zu Fuß gehen… Und einen Fehler eingestehen, so Beck, das mögen wir gar nicht. Da wir ja beim Thema Geld sind, folgert der Autor, dass dieses Verhalten ökonomisch gesehen falsch ist. „Wir neigen dazu, ein Investment nur deswegen fortzusetzen, weil wir bereits Geld darin investiert haben.“ Und das sollten wir nicht tun. Kein gutes Geld einem schlechten Investment hinterherwerfen. Womit wir beim Aktienmarkt wären. Das Stichwort lautet: „nachkaufen“. Ich spreche hier aus eigener Erfahrung, wenn ich sage, dass das nicht gut geht. Bei mir zumindest nicht. Verlust verursacht Schmerz, auch das kann ich bestätigen. Aber am Ende des Tages ist es besser, sich von einem schlecht laufenden Investment zu trennen. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende…

Zum Schluß noch einmal Hanno Beck: „Kapitalmärkte sind – ….. – keine selbständigen Lebewesen, sondern die Summe menschlichen Verhaltens.“

In diesem Sinne: viel Spaß bei der Lektüre.
Hanno Beck: Geld denkt nicht,
2012 Carl Hanser Verlag München