Ich hab ein Problem damit, Aktien zu kaufen, die mehr als 100 Euro das Stück kosten. Sind die dann nicht schon viel zu teuer? Und wenn die Börsen generell runtergehen, fallen die teuren Aktien dann nicht besonder stark?

Fragen in dieser Richtung erreichen mich immer mal wieder. Und das ist interessant, dass wir das denken. „Optisch“ hohe Kurse haben offensichtlich eine abschreckende Wirkung.

Aber ein hoher Kurs heißt nicht, dass eine Aktie teuer ist. Oder sogar zu teuer. Das kommt immer drauf an.

Was das konkret heißt, schauen wir uns genauer an einem Beispiel an.

Hoher Aktienkurs bei Apple?

Einen dreistelligen Aktienkurs weist z.B. Apple auf. Heute, am 8.2.19, kostet eine Apple-Aktie ca 149 Euro. Jetzt zuckst du vielleicht zusammen und denkst: Sooo viel? Wenn ich davon 100 Stück haben will, muss ich knapp 15.000 Euro auf den Tisch legen.

Ja, stimmt. Aber du musst nicht 100 Stück kaufen. Du kannst auch mit 10 Stück anfangen. Und ist die Apple-Aktie wirklich zu teuer? Oder sieht das nur so aus?

Eine Finanz-Kennzahl für die Beurteilung, ob eine Aktie „teuer“ ist oder nicht, ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV.

Wenn du dich bei den Börsenbegriffen noch nicht so gut auskennst, dann hol dir am besten meine Liste mit den 20 wichtigen Börsenbegriffen.

Die bekommst du als Dankeschön, wenn du meinen Newsletter abonnierst. Das geht auf meiner Webseite. Einfach auf der Startseite ganz nach unten scrollen, deinen Namen und E-Mail-Adresse eintragen, abschicken, deine Adresse bestätigen, und dann die Liste herunterladen.

Zurück zum KGV. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt an, wie oft der Gewinn im Aktienkurs enthalten ist. Ein KGV unter 12 gilt als günstig. Ein KGV darüber entsprechend als „teuer“.

Aber Achtung! Das KGV ist von Branche zu Branche unterschiedlich. Apple ist ein sog. Technologie-Wert. Da sind die KGVs auch schon mal wesentlich höher. Denn die Tech-Branche gilt als Wachstums-Branche. Da werden Zukäufe getätigt, da geht es um Umsatzsteigerung, um Expansion in andere Länder.

Da ist dann der Gewinn pro Aktie schon mal nicht so im Fokus. Wenn der Aktienkurs dann steigt, der Gewinn aber nicht, ist das KGV eben hoch. Macht Sinn, oder?

Und nochmal Achtung! Du vergleichst das KGV immer nur mit Unternehmen aus einer ähnlichen Branche. Also Tech-Firma mit Tech-Firma. Zum Beispiel Apple mit Microsoft. Nicht Apple mit BMW. Oder Beiersdorf.

KGV-Vergleich Apple und Microsoft

Auf der Finanzplattform onvista bekommst du die Informationen zum KGV vieler Unternehmen. Du gibst einfach in die Suchmaske das Unternehmen ein, das dich interessiert. Dann klickst du unter Kennzahlen auf Fundamental und bekommst die Zahlen angezeigt.

Apple KGV

 

Microsoft KGV

Die Zahlen sind nicht so gut zu lesen, sorry. Ich füge aber auch die Links zur Onvista-Seite an. Klicke einfach auf das jeweilige Bild oben. Dann öffnet sich ein neues Bild. Da bist du dann direkt auf der Seite bei onvista mit den Kennzahlen und kannst die Zahlen gut erkennen.

Wenn du von deinem Mobil-Telefon aus auf die Links klickst, gelangst du eventuell nur auf die Startseite von onvista. Ich hab das gerade mit meinem iphone ausprobiert – und bin genau da gelandet. Dann gibst du oben rechts in der Suchleiste das Unternehmen ein und klickst bei Kennzahlen auf Fundamental.

Das kleine ‚e‘ oben hinter den Jahreszahlen bedeutet übrigens ‚erwartet‘. Denn die Zahlen für die Geschäftsjahre 2018/2019 und darüber hinaus sind ja noch nicht bekannt. Und – noch eine Anmerkung: Das Geschäftsjahr von beiden Firmen endet nicht mit dem Kalenderjahr. Bei Apple endet das Geschäftsjahr am 30. September. Bei Microsoft am 30. Juni.

So, jetzt aber zum KGV. Wir schauen uns das KGV der Jahre 2017/18 an. Und wir sehen auf einen Blick, dass das KGV von Apple wesentlich niedriger ist als das von Microsoft. Obwohl der Aktienkurs höher ist: Apple ca 149 Euro pro Aktie, Microsoft ca 92 pro Aktie.

Also ist die Apple-Aktie offensichtlich viel günstiger als die Microsoft-Aktie. Wieso ist das KGV bei Microsoft so „hoch“? Der Aktienkurs bei Microsoft ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Stärker, als der Gewinn pro Aktie.

Microsoft hat sich mit dem Wechsel auf dem Chefposten Anfang 2014 stark verändert. Das Geschäft mit Geräten wurde verkauft; wir denken nur an Nokia. Microsoft war nie ein Gerätehersteller. Man bietet unter der Marke Surface zwar Laptops und Tablets an. Aber das ist nicht der Fokus.

Das Geschäft mit Cloud-Diensten wurde zudem stark ausgeweitet. Und damit verdient das Unternehmen viel Geld.

Das hat auch die Börse gemerkt. Viele Menschen fanden Microsoft auf einmal wieder attraktiv. Sie haben Aktien gekauft.

Es gab eine hohe Nachfrage nach Microsoft-Aktien; das hat den Kurs in die Höhe getrieben.

Obwohl der Gewinn nicht so stark angestiegen ist. Und das erklärt das „hohe“ KGV. Ist die Aktie jetzt nicht mehr kaufenswert? Würde ich nicht sagen. An der Börse wird die Zukunft gehandelt. Aus meiner Sicht ist das zukünftige Geschäft von Microsoft weiterhin attraktiv.

Bei Apple hingegen ist der Aktienkurs nicht so stark gestiegen wie der Gewinn. Apple lebt stark vom Geräteverkauf. Iphone, Ipad, Mac usw. Die Geräte sind hochpreisig. Und die Menschen sind bisher immer bereit gewesen, die hohen Preise zu bezahlen.

Erstmalig seit 15 Jahren hat Apple Anfang Januar 2019 einen Umsatzrückgang bekanntgegeben. Ursache dafür war unter anderem das schwächere China-Geschäft. Der Gewinn sprudelte aber auch im 4. Quartal 2018 – dem starken Weihnachtsgeschäft.

Der hohe Gewinn pro Aktie im Verhältnis zum nicht so stark gestiegenen Aktienkurs führt dazu, dass das KGV der Apple-Aktie nicht so hoch ist. Daher gilt das Papier mit einem KGV von gut 13 als günstig.

Das KGV von Microsoft ist mehr als 3mal so hoch!

Was sagt dir das jetzt?

Wie hilft dir das KGV bei deiner Kaufentscheidung? Nimmst du die ‚teure‘ Microsoft-Aktie? Oder die ‚günstigere‘ Apple-Aktie?

Zuerst: Das ist keine Kaufempfehlung von meiner Seite. Ich teile aber gern mit dir meine Gedanken dazu.

Bei Apple dreht es sich sehr stark um Produkt-Verkäufe. Wenn ein Produkt bei uns Verbrauchern nicht gut ankommt, hat das auch Auswirkungen auf den Aktienkurs. Der fällt dann.

Apple verdient auch Geld mit Abonnements, Apps und Zahlungsdiensten. Mit Apple Music, iCloud, App-Verkäufen und Apple-Pay will das Unternehmen bis 2020 einen Umsatz von 50 Milliarden Dollar erreichen. Und das ist realistisch. Aber der Geräte-Verkauf steht sehr im Fokus.

Das ist bei Microsoft anders. Hier wird das Geld immer schon mit dem Verkauf von Software und damit verbundenen Lizenzeinnahmen verdient. Microsoft ist daher auch ein Softwareunternehmen, kein Geräte-Hersteller.

Microsoft galt lange Zeit als langweiliger Tech-Dinosaurier. Da gab’s eben keine hochmodernen Mobil-Telefone, durch-designte Laptops oder schicke Uhren. Es war nur in fast jedem Rechner das Betriebssystem drin. Wir kennen es alle: Windows…

Das ist auch heute noch so. Aber mittlerweile ist das Unternehmen etwas anders aufgestellt. Hat das Karriereportal LinkedIn gekauft. Ist mit der Xbox stark im Gaming-Bereich unterwegs. Und verdient mehr und mehr Geld mit Cloud-Anwendungen.

Deshalb besitze ich Microsoft-Aktien. Und gehe davon aus, dass ich die auch noch sehr lange haben werde.

Wie siehst du das? Und welche Aktien kennst du noch mit einem dreistelligen Kurs? Oder sogar vierstellig?

Schreib doch gern einen Kommentar unter den Post und teile deine Gedanken mit uns.

Herzliche Grüße und #boerserockt

Sabine